Heilpflanzen und Enzyme

Rationale wissenschaftlich begründete Therapie der Glaubensmedizin?

Die Therapie mit Heilpflanzenbestandteilen - heute in Tees, Salben, Tinkturen, Tabletten, Kapseln, etc. enthalten - ist Jahrtausende alt. Viele Beschreibungen von Heilpflanzen finden sich in der Originalliteratur der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM). Aber auch bei uns im Westen können wir auf einen reichen Erfahrungsschatz aufgrund der Klostermedizin zurückblicken. Bereits Hildegard von Bingen (ca. 1098 bis 1179) beispielsweise behandelte Gelenkschmerzen mit Beinwellkraut (Symphytuom officinale).

In den letzten Jahren hat die Phytotherapie durch intensive Forschungen einen festen Platz in der Therapie bekommen. Es gibt viele Indikationen, für die Phytopharmaka das Mittel der 1. Wahl sind, z. B. der Weißdorn (Crategus) zur Behandlung einer milden Herzschwäche oder das Johanniskraut (Hypericum perforatum) zur Behandlung milder Depressionen oder der Ginkgo (Ginkgo biloba) zur Verbesserung der Hirndurchblutung bei Demenzerkrankungen.

Bei der Behandlung mit Arzneipflanzen arbeitet man nicht mit einer einzelnen Wirksubstanz, sondern mit komplexen Pflanzenextrakten. Oft enthält eine Heilpflanze mehr als eine wirksame Leitsubstanz oder ihre Wirkung entfaltet sich erst über Metabolite der unterschiedlichen planzlichen Inhaltsstoffe. Durch die modernen Möglichkeiten des "Phytoneering" werden Higtech-Phytopharmaka mit bestätigter Wirkung hergestellt.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Herstellung eines ausgezeichneten Schmerzmittels aus der Cannabis-Pflanze. Durch das Phytoneering konnte der THC-Gehalt und damit das Missbrauchspotential deutlich gesenkt werden. Allerdings dürfen Phytopharmaka - nur weil sie "aus der Natur sind" - nicht bedenkenlos über lange Zeit gegeben werden. Zum Beispiel kann Johanniskraut (Hypericum perforatum) zu einer Photosensibilisierung (verstärkte Lichtempfindlichkeit) führen.

"Die Vorteile einer rationellen Phytomedizin - gute Wirksamkeit, gute Verträglichkeit und vergleichsweise günstige Therapiekosten - überzeugen international immer mehr." Prof. Dr. Michael Popp.

Die aktuellen Forschungen (externe Evidenz) lassen jedoch nicht vergessen, dass sich über die jahrhundertelangen Erfahrungen mit Heilfpanzen auch eine innere Evidenz herausgebildet hat. Somit sind Wissenschaftlichkeit und "Glaube" keine Widersprüche.

Bei der Behandlung von Verletzungen und Erkrankungen des Bewegungsapparats sowie der oft mit vorliegenden seelischen Beeinträchtigungen haben sich Phytopharmaka sehr gut bewährt.

Beispiele aus der Praxis

Wichtige Anmerkung: Die Nennung von Handelsnamen erfolgt hier nicht im Sinne einer Wertung. Selbstverständlich könnten auch Präparate anderer Hersteller angegeben werden.

Arnika (Arnica montana)

Die Arnika ist eine sehr stark wirkende Heilpflanze, die eine gewisse Reizwirkung ausübt. Daher sollte man sie innerlich nur mit großer Vorsicht und stark verdünnt anwenden.

Das Haupt-Einsatzgebiet der Arnika ist die äußerliche Anwendung, vor allem gegen stumpfe Verletzungen wie Prellungen und Verstauchungen. Dazu macht man am besten Umschläge mit verdünnter Tinktur oder verdünntem Tee. Man kann die Arnika auch in Salben und Cremes gegen Verletzungen anwenden.

Außer gegen Verletzungen kann die Arnika auch gegen schlecht heilende Wunden helfen, weil sie durch die Reizung die Durchblutung fördert, was letztlich den Heilungsprozess in Gang bringt. Durch die durchblutungsfördernde Wirkung kann die Arnika auch gegen Krampfadern und Venenschwäche helfen.

Beinwell (Symphytum officinale)

Beinwell wird nur äußerlich angewendet. Traditionell wird Beinwell bei Knochenbrüchen eingesetzt, um das Zusammenwachsen der Knochen zu fördern und den Schmerz zu lindern. Die Wirkstoffe des Beinwells fördern die Kallusbildung bei der Knochenheilung.

Im Bereich Bewegungsapparat wird der Beinwell fast gegen jede Art von Beschwerden eingesetzt. Man verwendet ihn traditionell gegen Verstauchungen, Verspannungen, Arthrose und diverse andere Probleme.

Vor allem durch den Inhaltstoff Allantoin hat der Beinwell auch ausgeprägte wundheilende Eigenschaften. Er fördert die Entstehung eines guten Wundgrundes bei der Wundheilung und die Bildung von neuem Gewebe. Allantoin wirkt zudem reizlindernd und entzündungshemmend. Bei offenen Wunden wird wegen der eventuellen Nebenwirkungen des Beinwells die Reinsubstanz Allantoin gegeben.

Weide (Salix)

Die traditionelle Anwendung der Weidenrinde zur Fiebersenkung, bei rheumatischen Erkrankungen sowie zur Wundheilung wurde durch verschiedene Therapiestudien bestätigt.

Der Hauptwirkstoff der Weidenrinde ist das Salicin. Weidenrinde wird als wirkungsvolles Schmerzmittel eingesetzt bei degenerativen (Arthrosen) und entzündlichen Erkrankungen des Bewegungsapparates aber auch bei Kopfschmerzen.

 

 

 

 

Sonnenhut (Echinacea purpurea)

Der Sonnenhut hat die Fähigkeit, das körpereigene Immunsystem anzuregen. Dies erreicht er unter anderem dadurch, dass er die Fresszellen im Blut und Gewebe aktiviert. Daher wundert es nicht, dass der Sonnenhut eine sehr beliebte Heilpflanze ist, die gegen Infektneigung eingesetzt wird, beispielsweise wenn man zu Erkältungen neigt oder bei schleichenden chronischen Infektionen. Auch bei schlecht heilenden Wunden wird er oft erfolgreich eingesetzt (äußerlich und innerlich) und bei entzündlichen Hauterkrankungen.

Ringelblume (Calendula officinalis)

Das Haupteinsatzgebiet der Ringelblume ist die äußerliche Anwendung. Sie wirkt fördernd auf die Granulationsbildung beim Wachstum neuer Haut. Außerdem wirkt sie abschwellend, entzündungshemmend, antibakteriell und pilzhemmend. Man kann sie für nahezu alle Arten von Hautverletzungen und Hautentzündungen einsetzen. Auch leichte Brandwunden, Sonnenbrand und Ekzeme kann man mit Ringelblumen-Salbe behandeln.

Häufig wird auf die Wirkungsverwandschaft von Ringelblume und Arnika hingewiesen. Die Ringelblume wirkt jedoch milder, was sie im Endeffekt stärker macht, weil man sie auch in Fällen einsetzen kann, wo Arnika zu scharf wäre.

Man kann Ringelblumen-Tee als Umschlag, für Waschungen und als Bad anwenden. Auch mit verdünnter Ringelblumen-Tinktur kann man Einreibungen vornehmen und Umschläge machen.

Teufelskralle (Harpagophytum procumbens)

Man kann Ringelblumen-Tee als Umschlag, für Waschungen und als Bad anwenden. Auch mit verdünnter Ringelblumen-Tinktur kann man Einreibungen vornehmen und Umschläge machen.

Ist eine afrikanische Pflanze, die in den Savannen der Kalahari in Südafrika und Namibia beheimatet ist. Eignet sich gut zur Behandlung degenerativer Erkrankungen des Bewegungs¬apparates, z.B. bei Arthrosen oder Wirbelsäulen¬verschleiß. Gute Wirkungen werden aber auch bei Rheuma oder Fibromyalgie und Neuralgien berichtet. Die Teufelskralle wirkt stark entzün¬dungshemmend, abschwellend und leicht schmerzstillend.

Johanniskraut

Bereits Dioskurides empfahl die Früchte bei Brandwunden und gegen Ischias. Es wird heute ins unserer Praxis eingesetzt, wenn Schmerzen auch durch seelische Störungen mit verursacht oder unterhalten werden, z.B. bei psychovegetativen Angststörungen, nervöser Unruhe und vor allem bei leichten bis mittelschweren Depressionen. Das Johanniskrautöl kann zur Behandlung von scharfen und stumpfen Verletzungen, Distorsionen (Verstauchungen), Kontusionen (Prellungen) mit Blutergüssen oder erstgradigen Verbrennungen eingesetzt werden.

Weihrauch (Boswellia serrata)

Wirkstoff des Weihrauchs ist die Boswelliasäure. Sie wirkt antientzündlich und abschwellend. Die Wirksamkeit wurde in mehreren Studien bestätigt.

Die Boswelliasäure blockiert ganz gezielt die Leukotriensynthese und dann gehen die Entzündungen zurück. Die Leukotriene sind mitverantwortlich für die entzündlichen Prozesse im Körper, sei es jetzt bei der Bronchitis für die Entzündung der Bronchien oder die Entzündung der Gelenke beim Rheuma. 

                                                         

Brennnessel (Urtica urens)

Die scharfe Brennessel kennt wohl fast jeder, und es gibt kaum einen Menschen, der nicht früher oder später die Bekanntschaft mit ihren brennenden Eigenschaften macht.

Hauptwirkstoff sind die in der Brennnessel enthaltenen Kaffeesäureabkömmlinge. Diese wirken entzündungshemmend. Eine signifikante Beschwerdebesserung bei Rheuma und Arthrose ist nachgewiesen. Außerdem wirkt sie Stoffwechsel anregend und ist bei Nieren-Blasen-Krankheit als Tee gut einsetzbar.

Ananas (Ananas comusus)/Bromelain

Ein Enzym der Ananasfrucht (Bromelain) wird zur Abschwellung nach stumpfen Verletzungen, z.B. Prellungen oder nach Verstauchungen oder Muskelverletzungen, z.B. Zerrungen oder Muskelfaserriss eingesetzt, z.B. Traumanase forte ®-Tabletten.

Retterspitz ®

 

Wir haben die Retterspitz-Lösung zur äußerlichen Anwendung letztlich durch Empfehlung unserer Patienten kennen und schätzen gelernt.

                                                            

Retterspitz-Lösung wurde bereits 1902 als flüssiges Medizinprodukt zur äußerlichen Anwendung als Wickel, Umschlag oder Nasse Strümpfe auf den Markt gebracht. Sie enthält unter andem folgende Wirkstoffe aus der Phytotherapie: Thymianextrakt, Arnikatinktur, Zitronenöl, Bergamottöl, Orangenblütenöl, Rosmarinöl. Gegen¬anzeigen, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen sind nicht bekannt.

Anwendung:

Die mit Retterspitz®-Tinktur getränkten Wickel haben eine schmerzableitende und eine abschwellende Wirkung. Man empfindet bereits nach wenigen Sekunden der Einwirkung eine deutliche Erleichterung. Schwellungen und Schmerzen gehen zurück, die Beweglichkeit wird wieder hergestellt.

Wir empfehlen die Wickel zur unterstützenden physikalischen Therapie z.B. bei:

  • schmerzhaften postoperativen Schwellungszuständen nach künstlichem Kniegelenksersatz
  • Verletzungsfolgen u.a. Bänderdehnung, Zerrung der vorderen Oberschenkelmuskulatur, Verstauchungen von Gelenken
  • Entzündungen
  • nach operativer Versorgung bei Frakturen des Ober- bzw. Unterschenkels, nach Weichteileingriffen an der Schulter, Amputationen, Revisionseingriffen nach Komplikationen
  • bei chronischer Polyarthritis, aktivierter Arthrose, weichteilrheumatischem Schmerzsyndrom, Fibromyalgiesyndrom, Hämatomen, Schwellungszuständen an den Gelenken

Durchführung:

Man mischt mit Hilfe eines Messbechers in einer Schüssel 25 ml frisches, kaltes Leitungswasser mit 25 ml Retterspitz Äußerlich ®, das man einrührt und gleichmäßig verteilt. In dieser Lösung wird ein Leintuch eingeweicht und gut durchfeuchtet bis die Lösung vollständig aufgesogen ist. Dann wird das Leintuch um die Körperstelle geschlungen und straff gezogen. Ein trockenes Moltontuch wird darüber gezogen und mittels Klettbändern fixiert, so dass der Wickel möglichst faltenlos der Haut anliegt.

Retterspitz-Wickel werden kalt angelegt, Temperatur etwa 15°C. Heiße Wickel sind eine Ausnahme. Durch den Kältereiz und durch die Inhaltsstoffe von Retterspitz löst der Wickel eine Mehrdurchblutung aus. Schon wenige Sekunden nach der Anlage des Wickels stellt sich ein Wohlgefühl ein. Der Wickel wird warm und bewirkt im weiteren Verlauf ein zunehmendes Wärmegefühl, er dünstet. Die Wickeltücher werden spätestens dann abgenommen, wenn sie trocken geworden sind. Bei starken Beschwerden kann sofort ein neuer Wickel angelegt werden.

Einwirkungszeit:

Retterspitz-Wickel bleiben eineinhalb Stunden oder länger am Körper. Temperaturmessungen an der Haut unter Retterspitz-Wickeln zeigten, dass die Hauttemperatur schon nach einer Viertelstunde anzusteigen beginnt und im Verlauf von einer bis eineinhalb Stunden Werte erreicht, die knapp unter der normalen Bluttemperatur liegen. Während der Einwirkungszeit des Wickels stellt sich körperliche Entspannung ein. Der Entspannung folgt Schmerzlinderung und Schläfrigkeit. Der Schlafende muss nach Ablauf von eineinhalb Stunden nicht geweckt werden.