Procain-Basen-Infusionen (Entsäuerungskur)

Eine spezielle Art der Infusionstherapie ist die Procain-Basen-Therapie. Procain-Basen-Infusionen dienen der Schmerzreduktion und verwenden den Wirkstoff Procainhydrochlorid.

Procainhydrochlorid ist eine Substanz, die seit vielen Jahren vor allem in der Neuraltherapie erfolgreich eingesetzt wird. Seine Wirkung zeigt sich darin, dass es die Schmerzrezeptoren ausschaltet und zusätzlich die Durchblutung in den kleinsten Gefäßen verbessert. Diese Wirkungen lassen den Schmerz abklingen und haben zusätzlich einen antientzündlichen Effekt. Procainhydrochlorid führt außerdem zu einer angenehmen psychischen Entspannung.

Wirkungen des Procain sind u.a.:

  • Gefäßerweiterung
  • Entzündungshemmung
  • Neutralisierung freier Radikale (antioxidativer Effekt)
  • Ausgleichswirkung auf das vegetative Nervensystem
  • Anästhesie (Betäubung).

Eine wichtige Erweiterung des Einsatzgebietes von Procain stellt dabei seine kombinierte Anwendung im Rahmen der so genannten Procain-Basen-Therapie dar.

Hierbei wird eine definierte Menge eines speziell intravenös zugelassenen Procains mit einer Base (Natriumhydrogenkarbonat, THAM) in einer Kochsalzlösung gemischt und langsam als Infusion verabreicht. Der gleichzeitige Zusatz von alkalisierenden Substanzen erfolgt mit dem Ziel einer Wirkverlängerung von Procain und einer Verbesserung der Procain(membran)-Verfügbarkeit durch Alkalisierung der Zellumgebung.

Die Nebenwirkungsspektrum ist gering. Nur sehr selten können Blutdruckabfälle, Schwindelzustände und Kopfschmerzen auftreten, die nach Reduktion der Infusionsgeschwindigkeit bzw. der vorübergehenden Gabe einer neutralen Trägerlösung unproblematisch sind.

Im Allgemeinen werden 20-100 ml (40ml) einer 8,4%igen Natriumbikarbonat-Lösung pro 500 ml Trägerlösung (NaCl 0.9%) angewendet. Alternativ kommt die Puffersubstanz THAM zum Einsatz. THAM = Tris(hydroxymethyl)-aminomethan ist eine organische Base, passiert rasch die Zellmembran und wirkt sowohl intra- als auch extrazellulär als pH-Puffer. Der nicht ionisierte THAM-Anteil tritt in den Intrazellulärraum über und wirkt dort antiazidotisch, THAM wirkt als einziger Puffer auch intrazellulär. Die Infusionen erfolgen sehr langsam, 250 ml in mindestens 50 Minuten.

In Abhängigkeit von der Schmerzstärke, der akuten Ausprägung der Beschwerden und den Möglichkeiten einer apparativen Überwachung werden 0,1-0,5 g (200mg) Procain eingesetzt.

Es sind üblicherweise zwischen 5 und 10 Infusionen (2-3x wöchentlich) bis zu einer deutlichen und nachhaltigen Schmerzlinderung nötig.

Einsatzgebiete für Procain-Basen-Infusionen in unserer Praxis

  • Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule
  • Aktivierte Arthrose
  • Rheumathoide Arthritis
  • Fibromyalgiesyndrom
  • Spannungskopfschmerzen und Migräne
  • Psychovegetative Erschöpfung