Welche Sportarten sind sinnvoll nach einem künstlichen Gelenkersatz (Knie- und Hüftendoprothesen)

Nach dem Einbau einer Hüft- oder Knieendoprothese darf man durchaus Sport treiben. Die sportliche Aktivität führt zum einen zu einer guten muskulären Führung des Gelenkes und Verbesserung der Stabilität und Haltbarkeit des Gelenks. Gerade beim Älterwerden besteht ein höheres Risiko, zu stürzen. Durch regelmäßige körperliche Aktivität und Krafttraining wird Stürzen mit Knochenbrüchen oder sonstigen Verletzungen vorgebeugt.

Voraussetzung ist natürlich, dass das Implantat korrekt sitzt und auch sonst keine Gegenanzeigen bestehen, die die körperliche Aktivität einschränken, z.B. eine zusätzliche Nervenerkrankung. Bitte fragen Sie bei Zweifeln Ihren Operateur.

Folgende Faktoren beeinflussen die sportliche Belastbarkeit nach einer Gelenkersatzoperation:

  • Schonender operativer Zugang mit möglichst geringer Muskeldurchtrennung bzw. Muskelquetschung. Die sogenannten minimalinvasiven Zugänge sind nicht unbedingt besser als ein fast gleichgroßer konventioneller Zugang durch einen erfahrenen Operateur.
  • Die Art der Gelenkpartner, z. B. hart/hart-Gleitpaarungen im Gegensatz zu Keramik-Polyäthylen- oder Metall-Polyäthylen-Gleitpaarungen.
  • Das biologische Design einer Prothese, z.B. Kinematik-Prothesen
  • Zementfreie oder zementierte Implantationstechnik.
  • Körperliche Aktivität und Kondition vor der Prothesenoperation, Fettleibigkeit, schlechter Zustand der Muskulatur.

Neben der körperlichen Bewegung sollten Sie auch an die Messung Ihrer Knochendichte denken, um eine Knochendichteminderung z.B. bei einer Osteoporose rechtzeitig zu erkennen und nach den neuesten Leitlinien behandeln zu können (Link zu osteoporose.htm).

Auch sollten auf Ihr Gangbild abgestimmte Sportschuhe mit guter Dämpfungseigenschaft getragen werden.

Ca. 3 Monate nach der Operation nach erreichter Vollbelastung sollte der Beckenstand überprüft und gegebenenfalls ausgeglichen werden. Eine einseitige Beinverkürzung führt zur Mehrbelastung der Wirbelsäule mit evtl. Schmerzen und Mehrverschleiß.

Grundsätzlich sind gleichmäßige, wiederholte Bewegungen ohne starke Spitzenbelastungen oder Stauchbelastungen sinnvoll.

Auch erhebliche Hebelwirkungen sollten vermieden werden. Auch Sportarten mit erhöhter Unfallgefahr sind nur ausnahmsweise sinnvoll, z.B. Alpin-Schifahren. Sprungdisziplinen oder Sprünge höher als 30 cm sollen vermieden werden.

Kampf- und Kontaktsportarten mit Hebelbelastungen sind ungünstig.

Mannschaftssportarten sind wegen der erhöhten Unfallgefahr nur sehr gemäßigt und bei optimaler Kondition zu empfehlen. Tennis oder Squash sind nicht zu empfehlen.

Golf ist bedingt möglich. Da es bei dieser Sportart jedoch zu einer Drehbewegung des Rumpfes um das fixierte Bein kommt sollten evtl. Trainerstunden genommen werden, um einen optimalen Bewegungsablauf beim Schwingen zu gewährleisten. Es gibt neuerdings auch Golfschuhe mit ausklappender Sohle beim Schwung, die die Knie- und Hüftbelastung erheblich reduzieren. „Lieber unnötige Schläge beim kurzen Spiel einsparen, als nur ein Longhitter zu sein“.

Nicht zu empfehle
  • Kontakt- und Manschaftssportarten wie Fußball, Hand- und Volleyball, ringen, Judo, Boxen, etc.
  • Sprungdisziplinen bei der Leichtathletik, z.B. Weitsprung, Hochsprung
  • Geräteturnen
  • Hürdenlauf
  • Alpinski (nur bei sehr gutem Fahrer und optimalen Wetterverhältnissen und griffigem Schnee)
 
Bedingt sinnvoll
  • Skilanglauf (bei guter Technik)
  • Jogging (bei gutem Schuhwerk, Strecke mit weichem Untergrund, wenig Bergablauf)
  • Reiten (nicht vom Pferd abspringen!)
  • Wurf-, Stoßdisziplinen in der Leichtathletik, Sprintdisziplinen (z.B. 100m)
  • Golf, Kegeln (Rotationsbelastung)
  • Kanusport (wegen Kniebelastung)
  • Bergtouren (Extremtouren nicht sinnvoll, eher bergan gehen, lange Abstiege vermeiden)
Gut möglich
  • Wassergymnastik
  • Schwimmen (Kraulbeinschlag bevorzugen, Brustbeinschlag vermeiden)
  • Fahrradfahren (Extremtouren, z.B. Mounainbiking vermeiden)
  • (Nordic) Walking
  • Gymnastik
  • Fitnesstraining am Gerät
  • Rudern